Amin Jbabli

Das Austausch-Programm zwischen der Universität Paderborn und der Beihang University of  Aeronautics and Astronautics  belief sich über mein 5. Hochschulsemester vom 28.09.08 bis zum 25.01.09.

Vorbereitung: Zwei Monate vor dem Austausch bekam ich die Option als Quereinsteiger an dem Austauschprogramm teilzunehmen, da jemand aus persönlichen Gründen abgesprungen ist.
Durch eine umfangreiche Beratung von Professor Mertsching und dem Akademischen Auslandsamt wurde mir spontan ermöglicht, in das Förderprogramm des DAAD zu gelangen und an diesem Austauschprogramm teilzunehmen. Nachdem alle notwendigen Unterlagen für das Austauschprogramm ausgefüllt waren, fehlte nur noch das Visum. Die Beschaffung des Visums war äußerst problematisch und realisierte sich erst kurz vor der Abreise, da parallel die Olympischen Spiele in Peking stattfanden.

Ankunft: In Peking angekommen wurden wir direkt von den Austauschstudenten der Beihang Universität Ma Zhifeng und Zhang Qimeng herzlich empfangen. Vom Flughafen aus ging es per Bus und Taxi zum Campus der Beihang Universität. Die Transportkosten wurden von der BUAA getragen. Dort angekommen wurden wir in unsere Zimmer begleitet und die Beiden halfen uns bei der Wohnungseinrichtung , Strom, Internet , Mobilfunk ,  machten uns mit dem Campus sowie unseren Laboratorien vertraut und haben uns schließlich zum Essen in ein vornehmes Restaurant eingeladen. 
In den folgenden Wochen wurden wir immer wieder von chinesischen Studenten begleitet  und uns wurde ständig Hilfe angeboten.


Studium

Mein Studium an der BUAA bestand im Wesentlichen aus einem Chinesisch-Sprachkurs  und der Projekt-Forschung. Es wurden auch etliche wissenschaftliche Kurse angeboten, allerdings war es mir zeitlich nicht möglich diese zu belegen.
An der Universität Paderborn habe ich mich beurlauben lassen, sodass dieses Semester nicht zu einem Fachsemester in meinem Studienverlauf zählt. Allerdings hat dies den Nachteil, dass ich offiziell keine Prüfungen direkt nach meiner Rückkehr ablegen darf.

Chinesisch-Sprachkurs:
Der Chinesisch-Sprachkurs belief sich auf 24 Stunden die Woche (Mo.-Fr.  8.00 - 12.00 Uhr und zusätzlich Di. und Do. 14.00 - 16.00 Uhr) und bestand aus den Fächern Lesen, Schreiben, Verstehen und Sprechen.  Dieser schloss ab mit  einer Zwischenprüfung in 2 Fächern, und einer Endprüfung in jeweils 3 Fächern.

  • Chinesisch ist eine sehr interessante, zukunftsorientierte und international wichtige Sprache.
  • Ständiger Kontakt zu anderen internationalen Austauschstudenten.
  • Sprachkenntnisse in Chinesisch sind sehr hilfreich im Alltag und sympathisieren Mitmenschen.
  • Ein großes Angebot von Exkursionen wurde von der Int. School angeboten.
  • Die Lehrkörper sind qualifiziert und äußerst sympathisch.

Projekt:
Mein Projekt "Research and Development of an experimental platform for Active Vibration Control of the Flexible Plate" wurde von Professor Yuan Mei betreut.Im Wesentlichen bestand meine Aufgabe darin, mich mit dem Versuchsaufbau vertraut zu machen, anschließend einen linearen Hochspannungsverstärker mittels CAD (OrCad)  zu designen und ihn schließlich in die Realität umzusetzen. Die Kommunikation erfolgte in English und Chinesisch. Bei dem  theoretischen Teil meines Projektes arbeitete ich im Labor von  Prof. Yuan Mei, in dem auch ca. 10 weitere chinesische Studenten forschten. Meine Arbeitszeiten standen mir frei, da das Labor täglich von 8.00-23.00 Uhr geöffnet war. Bei Fragen und Problemen standen mir  Prof. Yuan Mei und ihre Studenten stets zu Seite, sie waren sehr hilfsbereit und integrierten mich herzlich. Der praktische Teil wurde dann im Labor von Mister Dong abgehalten. Dort lötete ich den Schaltkreis zusammen und führte Messungen durch. Da dies mein erstes Projekt war und ich vorher noch nie gelötet hatte, fiel mir dies ein wenig schwer. Doch durch eine sehr gute Betreuung von Mr.Dong wurde ich schnell in die Thematik und Technik eingeführt, und schließlich funktionierte alles nach Plan.


Beihang University & Wohnung

Wohnung:
Da wir ein wenig zu spät in Beihang ankamen, war das internationale Studentenwohnheim schon voll belegt. So kamen wir in einem anderen Wohnheim nahe der Universität unter. Unser Zimmer war ca. 22 qm² groß und wurde mit 2 Personen belegt. Es enthielt 2 Betten, 2 Schränke, 2 Schreibtische und einen Fernseher. Außerdem hatten wir noch ein Badezimmer, einen Kühlschrank und eine Mikrowelle. Die Kosten für dieses beliefen sich auf insgesamt ca.120 Euro im Monat, dazu kamen noch Strom, Wasser und Internet. Nach 2 Monaten entschieden mein Mitbewohner und ich, jeweils ein Zimmer als Einzelzimmer zu mieten. Dies war vorerst sehr schwierig, und die zuständigen Ämter wollten uns dies nicht genehmigen. Doch nach einem kurzen Gespräch mit Prof. Yuan Mei bekamen wir unser Einzelzimmer schon direkt am nächsten Tag. Vielen Dank noch mal.

Campus & Sport:
Der Campus der Beihang Universität beherbergt viele Geschäften, Friseure, Schneider, Banken, Restaurants und  acht Mensen. Der Umfang und die Größe des Campus ist enorm und nicht vergleichbar mit anderen Universitäten, die ich bis jetzt gesehen habe.
Ich persönlich habe an der Beihang Universität mit chinesischen Studenten Basketball, Tischtennis und Badminton gespielt und war über das komplette Semester Mitglied in einem Karate-Verein mit anschließendem Turnier aller Universitäten Pekings.

Gastfreundschaft:
Die Gastfreundschaft, die mir in Peking geboten wurde, war einfach einzigartig gut.
Von der Ankunft bis zur Abreise standen mir Prof. Yuan Mei und ihre Studenten stets zur Seite und halfen mir mehrmals. Wir unternahmen viele gemeinsame Aktivitäten. Sehr oft wurde ich vom Labor zum Essen in vornehme Restaurants eingeladen. Außerdem gingen wir zusammen Bowlen und spielten Badminton. Weihnachten hielten wir auch eine kleine Feier mit Snacks und Softdrinks ab. Und zu meiner Überraschungen wurden mir auch noch nette Geschenke gemacht. Vor meiner Abreise wurde ich wieder mit Geschenken und einem leckeren Hot-Pot-Essen verabschiedet. Prof. Yuan Mei und das Labor haben mir eine wunderschöne Zeit bereitet und ich hab sie tief in mein Herz geschlossen.


Finanzen

Mein Auslandssemester wurde von einem Stipendium ( DAAD - ISAP ) und Auslandsbafög finanziert. Das Stipendium war zuverlässig und leicht zu beantragen. Die Beantragung von dem  Auslandsbafög  war allerdings sehr problematisch und langwierig, sowie mit viel Schriftverkehr belastet. Die Bearbeitungszeit beläuft sich auf ca. 7 Monate, und wurde mir erst nach meinem Auslandsaufenthalt nachgezahlt. Durch die Beantragung von Auslandsbafög stand mir nur ca. die Hälfte vom DAAD Stipendium zu.

Wichtige Ratschlage bei der Beantragung vom Auslands-Bafög :

  • So früh wie möglich beantragen.
  • Direkt persönlichen Kontakt zum Sachbearbeiter aufnehmen.
  • Eine bevorzugte Bearbeitung aufgrund des DAAD Stipendiums beantragen( Begründung : Wenn der Auslandsbafög-Antrag nicht genehmigt wird kann ein möglicher finanzieller Verlust entstehen, da das Stipendium nur zur Hälfte ausgezahlt wird. )
  • Auf jeden Fall genügend eigene finanzielle Reserven einplanen.

Notwendige Ausgaben: Umrechnungskurs ca. 1 Euro = 9 RMB , alle Angaben schätzungsweise

  • Die Wohnung  kostet 50 Euro Kaution.
  • Monatliches  Einzelzimmer 120 Euro + individuell Strom & Wasser 10 Euro
  • Internetkosten bei Einzelbeantragung  Modemkaution 20 Euro + 30 Euro Einrichtung
  • Monatlich bei einer 1 Mbit - Leitung  15 Euro
  • Eine kleine Wäsche waschen & trocknen 1.30 Euro
  • Ein durchschnittliches Mensa Essen 1 Euro
  • U-Bahngebühren durch ganz Peking : 25 Cent

Fazit: Das DAAD ISAP Stipendium deckt die notwendigen Kosten und reicht bei einem  bescheidenem Lebensstil aus.

Optionale Ausgaben:

  • Taxi durch ganz Peking : 1.50 - 6.00 Euro , zum Flughafen 12 Euro
  • Ein Menü bei McDonalds kostet etwa 3.50 Euro
  • Der Besuch von Tempeln , Museen und der Großen Mauer kostet jeweils 2-12 Euro
  • 100% Fruchtgetränke und frische Vollmilch sind sehr teuer , 1-3 Euro
  • Die Preise von Pekings Nachleben sind mit denen in Deutschland vergleichbar

Fazit: Wenn man etwas unternehmen und ein wenig besser leben möchte, sollte man eigene Reserven einplanen, Peking ist nicht in all seinen Seiten günstig.

Meine Erfahrungen in Peking und der Beihang Universität haben mich fachlich weitergebildet sowie kulturell mit China vertraut gemacht. Ich kann jedem empfehlen, dieses Austauschprogramm wahrzunehmen. Es ist eine einmalige Chance!

Danke an alle, die mir dieses ermöglicht haben.

Amin Jbabli